Jüdischer Frauenbund in Deutschland
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Jeanette Wolff

Sie wurde als ältestes von 16 Kindern des Lehrers Isaac Cohen am 22.06.1888 in Bocholt/Westfalen geboren. Das Elternhaus war religiös-sozialistisch und prägte ihren späteren Lebensweg in dieser Richtung. Während ihrer Ausbildung zur Erzieherin in Brüssel schloss sie sich daher sozialistischen Kreisen an und begann, Artikel für die Zeitung "Le peuple" zu schreiben. 1905 trat sie in die Sozialdemokratische Partei ein, heiratete 1910 den Kaufmann Hermann Wolff und zog mit ihm zurück nach Bocholt, wo sie eine kleine Textilfabrik betrieben. Trotz der Geburt dreier Töchter engagierte sie sich nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern ganz besonders in jüdischen Organisationen.

1919 wurde sie für die SPD Stadtverordnete in Bocholt und Gründungsmitglied der dortigen Arbeiterwohlfahrt, sie wurde in den Vorstand des Jüdischen Frauenbundes gewählt und 1920 in den Vorstand des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Schon früh erkannte sie den wachsenden Nationalismus und Antisemitismus und warnte öffentlich vor deren Verharmlosung. So wurde sie bald nach der Machtergreifung in "Schutzhaft" genommen und erst nach zwei Jahren entlassen. In der Zwischenzeit musste die Familie Haus und Fabrik unter Wert verkaufen und zog nach Dortmund. Ihr Mann fand noch einmal Arbeit bei einer Versicherung, sie selbst richtete einen Mittags- und Abendtisch ein, da Restaurants für Juden verboten waren. Sie durfte Deutschland nicht verlassen, und so blieben auch ihr Mann und ihre Töchter, obgleich sie ein Affidavit für die USA hatten.

1942 wurde die Familie zuerst in das Ghetto von Riga und danach in verschiedene Konzentrationslager transportiert. Nur Jeanette Wolff und ihre Tochter Edith überlebten. Nach ihrer Rückkehr ließ sie sich in Berlin nieder und nahm sofort die Arbeit in der SPD und dem Jüdischen Frauenbund wieder auf, den sie zusammen mit Ruth Galinski neu gründete. Als Mitglied des Berliner SPD-Vorstandes kämpfte sie gegen die Fusion von SPD und KPD. Von 1952 bis 1962 war sie Abgeordnete des Deutschen Bundestages und legte den Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit auf die Frauenpolitik und die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Sie wurde Vorsitzende der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Berlin, des Jüdischen Frauenbundes und der Liga für Menschenrechte. Von 1955 - 1975 war sie u.a. stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland und Mitglied des Hauptvorstands der DAG. Für ihr politisches und soziales Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Leo-Baeck-Preis, das Große Bundesverdienstkreuz und die Ernennung zur "Stadtältesten" Berlins. Bis zu ihrem Tod am 19.05.1976 war sie unermüdlich für Versöhnung und soziale Gerechtigkeit tätig. Bei ihrer Beerdigung sagte Rabbiner Lubliner: "Sie war der Dornbusch, der brannte, aber niemals verbrannte."


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